Der Duft von Zuckerrübensirup, Anis und Zimt gehört für mich genauso zur Adventszeit wie Kerzenlicht und ein gut gedeckter Tisch. Mit diesem Aachener-Printen-Rezept gelingen würzige, leicht herbe Lebkuchen mit festem Biss, ohne Ei und ohne Butter. Ich zeige außerdem, warum der Teig ruhen muss, wie Pottasche richtig eingesetzt wird und was Printen nach dem Backen besonders aromatisch macht.
Die wichtigsten Punkte für aromatische Printen aus der eigenen Küche
- 500 g Mehl ergeben je nach Größe etwa 20 bis 25 Printen.
- Zuckerrübensirup sorgt für die typische dunkle Farbe und würzige Tiefe.
- Der Teig sollte mindestens 12 Stunden ruhen, besser über Nacht.
- Pottasche lockert den festen Teig und passt besonders gut zu flachem Gebäck.
- Gebacken werden die Printen bei 180 °C Ober- und Unterhitze etwa 12 bis 15 Minuten.

Was Aachener Printen so besonders macht
Printen sind ein würziges Lebkuchengebäck aus Aachen und dem Rheinland. Anders als weiche Honigkuchen enthalten klassische Kräuterprinten meist Zuckerrübensirup, Kandiszucker und eine kräftige Gewürzmischung. Der Teig ist relativ fest, läuft im Ofen kaum auseinander und ergibt flache, rechteckige Stücke mit markantem Biss.
Ich mag an Printen besonders, dass sie nicht sofort weich und kuchenartig werden müssen. Direkt nach dem Backen sind sie oft noch fest. Nach einigen Tagen in einer gut verschlossenen Dose verbinden sich die Gewürze stärker, und die Konsistenz wird angenehmer. Genau diese Entwicklung gehört für mich zum Gebäck dazu.
Streng genommen bezeichnet „Aachener Printen“ eine regionale Spezialität aus dem Raum Aachen. Zu Hause backen wir also Printen nach Aachener Art. Für das typische Aroma ist aber weniger die Herkunft der Backstube entscheidend als die Kombination aus Sirup, Anis, Koriander, Zimt und Pottasche.
Die richtigen Zutaten für etwa 20 Printen
Die folgende Menge ergibt ungefähr 20 mittelgroße Stücke. Wer sehr dünne Printen formt, kommt auf bis zu 25 Stück. Ich verwende am liebsten Weizenmehl Type 550, weil der Teig damit etwas elastischer bleibt. Type 405 funktioniert ebenfalls, liefert aber ein etwas zarteres Ergebnis.
| Zutat | Menge | Hinweis |
|---|---|---|
| Weizenmehl | 500 g | Type 550 oder 405 |
| Dunkler Zuckerrübensirup | 400 g | nicht durch dünnen Zuckersirup ersetzen |
| Farinzucker oder brauner Zucker | 85 g | für eine kräftige Karamellnote |
| Kandiszucker | 125 g | grob zerstoßen |
| Wasser | 30 ml | nur zum Lösen der Zucker |
| Orangeat | 15 g | sehr fein gehackt |
| Natron | 5 g | etwa 1 gestrichener Teelöffel |
| Pottasche | 5 g | in wenig Wasser auflösen |
Die Gewürzmischung
- 10 g gemahlener Anis
- 5 g gemahlener Koriander
- 5 g gemahlener Zimt
- 2 g gemahlener Piment
- 2 g gemahlene Nelken
- 2 g gemahlener Kardamom
- 2 g frisch geriebene Muskatnuss
Die Mischung klingt zunächst intensiv, doch genau das ist gewollt. Beim Backen verliert sich ein Teil der Schärfe. Wer es etwas milder mag, reduziert den Anis auf 6 bis 8 g. Honig ist in dieser klassischen Variante nicht nötig. Er passt zu vielen Lebkuchen, verändert aber den Geschmack und die typische herbe Note der Printen.
So wird der Printenteig richtig zubereitet
1. Zucker und Sirup erwärmen
Ich gebe Zuckerrübensirup, Farinzucker, Kandiszucker und Wasser in einen kleinen Topf. Die Mischung wird bei niedriger bis mittlerer Hitze erwärmt, bis sich der Zucker weitgehend gelöst hat. Sie soll heiß und glatt sein, aber nicht sprudelnd kochen, sonst kann der Sirup unnötig eindicken oder anbrennen. Danach lasse ich die Masse etwa 10 bis 15 Minuten abkühlen. Sie darf noch warm sein, sollte aber nicht mehr dampfend heiß in das Mehl kommen. Zu hohe Temperaturen können das Mehl verklumpen und die Triebmittel vorzeitig aktivieren.2. Mehl, Gewürze und Triebmittel mischen
Mehl, Orangeat und die Gewürze kommen in eine große Schüssel. Natron mische ich direkt unter das Mehl. Die Pottasche löse ich separat in einem Esslöffel Wasser auf, damit sie sich gleichmäßig im Teig verteilt.
Pottasche ist Kaliumcarbonat, ein klassisches Backtriebmittel für flaches, schweres Gebäck. Sie entwickelt ihre Wirkung vor allem während der langen Reifezeit und beim Backen. Der typische Eigengeruch verschwindet vollständig, wenn die Printen ausreichend gebacken werden.
3. Teig kneten und ruhen lassen
Die lauwarme Sirupmischung wird mit den trockenen Zutaten und der aufgelösten Pottasche verknetet. Der Teig ist zunächst klebrig und wirkt deutlich fester als ein gewöhnlicher Plätzchenteig. Das ist normal. Ich knete nur so lange, bis keine trockenen Mehlnester mehr zu sehen sind.
Den Teig forme ich zu einer flachen Kugel, wickele ihn luftdicht ein und stelle ihn für mindestens 12 Stunden in den Kühlschrank. Über Nacht ist ideal. Während dieser Zeit verteilt sich die Feuchtigkeit, der Kandiszucker zieht in den Teig ein und die Gewürze entwickeln mehr Tiefe.
Wer den Teig sofort verarbeitet, bekommt häufig rissige oder ungleichmäßig feste Printen. Die Ruhezeit ist deshalb kein nebensächlicher Schritt, sondern eine der wichtigsten Bedingungen für ein gutes Ergebnis.
Printen ausrollen, formen und backen
Am nächsten Tag nehme ich den Teig etwa 30 Minuten vor dem Ausrollen aus dem Kühlschrank. Auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche wird er etwa 5 bis 7 Millimeter dick ausgerollt. Zu dünne Stücke werden schnell hart, zu dicke bleiben in der Mitte lange weich.
Traditionell schneidet man den Teig in längliche Rechtecke. Für eine rustikale Optik reicht ein scharfes Messer. Natürlich funktionieren auch Ausstechformen, doch ich finde, dass die schlichte rechteckige Form den Charakter dieses Gebäcks am besten zeigt.
- Den Backofen auf 180 °C Ober- und Unterhitze vorheizen.
- Ein Backblech mit Backpapier auslegen.
- Die Teigstücke mit etwas Abstand auflegen.
- Nach Wunsch dünn mit Milch bestreichen, damit die Oberfläche leicht glänzt.
- Die Printen 12 bis 15 Minuten backen.
Die Ränder sollen sichtbar dunkler sein, die Mitte darf aber noch leicht weich wirken. Nach dem Herausnehmen härten die Printen weiter aus. Ich lasse sie deshalb vollständig auf dem Blech abkühlen, bevor ich sie bewege. Werden sie zu lange gebacken, verlieren sie ihre angenehme Würze und werden sehr hart.
Ober- und Unterhitze oder Umluft
| Backart | Temperatur | Backzeit |
|---|---|---|
| Ober- und Unterhitze | 180 °C | 12 bis 15 Minuten |
| Umluft | 160 °C | 10 bis 13 Minuten |
Die Zeiten sind Richtwerte, denn Blechstärke, Teigdicke und Ofen machen einen spürbaren Unterschied. Bei Umluft trocknet das Gebäck meist etwas stärker aus. Ich backe daher lieber ein Teststück und entscheide danach, ob die restlichen Printen eine Minute länger oder kürzer brauchen.
Harte Printen, weiche Printen und typische Fehler
Warum werden die Printen zu hart?
Meist liegt es an einer zu langen Backzeit oder an zu dünn ausgerolltem Teig. Auch eine undichte Keksdose lässt die Feuchtigkeit entweichen. Sind die Printen nach dem Abkühlen sehr hart, lege ich für einen Tag ein kleines Stück Apfel in die Dose und entferne es danach wieder. So lässt sich die Konsistenz vorsichtig verändern.
Der Apfel darf nicht dauerhaft in der Dose bleiben, weil sich sonst Schimmel bilden kann. Für eine längerfristige Lagerung ist ein Stück Brot die bessere, kontrollierbarere Lösung. Trotzdem gilt auch hier regelmäßig prüfen und das Brot nach ein bis zwei Tagen austauschen.
Warum zerbricht der Teig beim Ausrollen?
Ist der Teig kalt und trocken, reißt er leicht. Ich lasse ihn dann etwas länger bei Raumtemperatur stehen und knete ihn kurz durch. Zusätzlich hilft es, ihn zwischen zwei Lagen Backpapier auszurollen. Zu viel Mehl auf der Arbeitsfläche macht die Printen dagegen noch trockener.
Kann man Pottasche ersetzen?
Für dieses Gebäck ist Pottasche besonders passend, weil sie den Teig in die Breite arbeiten lässt und die Printen flach bleiben. Im Notfall kann man sie durch zusätzliches Natron ersetzen, das Ergebnis wird aber meist weniger typisch und etwas kompakter. Backpulver verändert die Struktur ebenfalls und ist für klassische Printen nicht meine erste Wahl.
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Wie lange halten selbst gebackene Printen?
In einer gut schließenden Blechdose halten sie sich etwa 3 bis 4 Wochen. Geschmack und Konsistenz verbessern sich oft während der ersten Woche. Ich lagere sie kühl, trocken und getrennt von sehr feuchten Plätzchen, weil Printen sonst schnell ihre gewünschte Festigkeit verlieren.
So lassen sich Printen geschmackvoll abwandeln
Die klassische Version lebt von ihrer Gewürzmischung und dem dunklen Sirup. Wer etwas mehr Kontrast möchte, kann die abgekühlten Stücke zur Hälfte in dunkle Kuvertüre tauchen. Das passt besonders gut, wenn der Anis kräftig ausfällt und die Schokolade die Würze abrundet.
Für eine mildere Variante reduziere ich den Anis und ersetze einen Teil des Zuckerrübensirups durch Honig. Das ist geschmacklich gefälliger, aber nicht mehr ganz so charakteristisch. Auch gehackte Mandeln oder Haselnüsse sind möglich, verändern jedoch den traditionellen, glatten Biss.
- Kräuterprinten: kräftig gewürzt und eher fest, ideal zum Kaffee oder Glühwein.
- Schokoladenprinten: nach dem Backen mit dunkler Kuvertüre überzogen.
- Nussprinten: mit gehackten Mandeln oder Haselnüssen für mehr Biss.
- Weichere Printen: etwas dicker ausrollen und wenige Minuten kürzer backen.
Ich würde nicht alle Varianten gleichzeitig ausprobieren. Für den ersten Versuch ist die klassische Rezeptur die beste Referenz. Erst wenn Temperatur, Teigdicke und Ruhezeit stimmen, lässt sich zuverlässig beurteilen, welche zusätzliche Zutat wirklich eine Verbesserung bringt.
Der beste Zeitpunkt zum Backen und Servieren
Printen eignen sich hervorragend zum Vorbereiten. Zwei bis drei Wochen vor Weihnachten gebacken, haben sie genug Zeit, ihr Aroma zu entwickeln. Zum Servieren passen schwarzer Kaffee, kräftiger Tee, Glühwein oder eine Tasse Kakao. Durch den festen Biss sind sie außerdem ein schönes kleines Geschenk aus der Küche.Mein persönlicher Tipp ist, die Printen nicht direkt aus der Dose zu servieren, sondern ihnen etwa 15 Minuten bei Raumtemperatur zu geben. Dann kommen Anis, Zimt und Koriander deutlich klarer zur Geltung. Wer sie besonders fest mag, genießt sie pur. Für eine weichere Variante passt ein Stück Apfel in der Dose für kurze Zeit.
Entscheidend sind am Ende keine komplizierten Tricks, sondern drei Dinge: ein aromatischer Sirup, eine ausgewogene Gewürzmischung und genügend Ruhe für den Teig. Wer diese Punkte beachtet und die Backzeit im eigenen Ofen kontrolliert, bekommt würzige Printen mit echtem Charakter und einer angenehmen, nicht überzuckerten Tiefe.